Vivaldi mal in einer Gitarrenversion

Augsburger Allgemeine, Juni 2014

Vivaldi mal in einer Gitarrenversion

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Die „Classic Guitar Connection“ zeigt ein breites Spektrum und nimmt die Besucher mit auf eine Reise
Von Sybille Heidemeyer

Gitarrenkonzert oder Badesee? Rund 50 Zuhörer entschieden sich am späten Nachmittag des Pfingstsonntags für das klassische Konzert in Schwabmünchen und lauschten in der kleinen, kühlen Feldkapelle am Stadtrand den Klängen der „Classic Guitar Connection“.
Die studierten Gitarristen Rainer Kannacher aus Murnau sowie Erik Müller und Philipp Rospleszcz aus Landsberg und Umgebung spielen seit 2010 zusammen. Stefan Wagner, Kirchenmusiker der Stadtpfarrkirche St. Michael, lud sie zu einem Konzert in die Feldkapelle ein. Das Trio zeigte sein breites stilistisches Spektrum und nahm die Besucher mit auf eine zauberhafte musikalische Reise durch unterschiedliche Länder und Epochen.
Das Konzert begann in der Renaissance mit einem Stück des Schotten Tobias Hume mit Erik Müller an der siebenchörigen Laute. Selten zu hören und wunderschön.
Nach dem alten englischen Volkslied „O Waly, Waly“, arrangiert von der in Deutschland lebenden Komponistin und Gitarristin Maria Linnemann, ging es weiter ins Italien des Barocks.
Sein „Concerto“ hatte Antonio Vivaldi ursprünglich für zwei Mandolinen, Streicher und Basso continuo geschrieben. Doch das neue Klanggewand, bei dem Rainer Kannacher den Generalbass übernahm, passte perfekt. Es machte Freude, Vivaldi mal in einer Gitarrenversion zu hören und den Musikern – in ihr Spiel versunken und doch immer in Kontakt zueinander – zuzuschauen.
Mit den „Danzas Españolas“ von Enrique Granados entführte das Trio die Besucher in die spanische Romantik. Intensiv, filigran, gespickt mit Flageoletttönen, präsentierten sie den Tanz „No. 2 Oriental“ und, zur Freude des Publikums, auch die Tänze „No. 1 Minueto“ und „No. 3 Zarabanda“ als Zugaben.
Bei der Komposition „Baião de Gude“ ließ sich der brasilianische Komponist und Gitarrist Paulo Bellinati (Jahrgang 1950) von einem Volkstanz aus dem Nordosten Brasiliens und dem Murmelspiel inspirieren, was die drei Gitarristen fabelhaft zu interpretierten wussten.
Speziell für die „Classic Guitar Connection“ waren auch drei Sätze aus dem Streichquartett Nr.2 von Joseph Haydn für drei Gitarren arrangiert. Ein außergewöhnlicher Hörgenuss, doch unverkennbar Haydn und Wiener Klassik.
Album-Titel lässt hoffen
Das Trio beschloss sein Programm mit etwas Modernem. Das „Fin de siglo“ des zeitgenössischen Argentiniers Máximo Diego Pujol mit perkussiven Elementen und überraschenden Wendungen machten die Musiker meisterhaft lebendig und unterstrichen damit ihre Vielseitigkeit.
Fast alle im Konzert gespielten Stücke sind auch auf ihrer ersten CD zu hören, die die drei Profimusiker im vergangenen Jahr veröffentlicht haben. Und der Titel des Albums „Prolog“ lässt hoffen, dass die „Classic Guitar Connection“ die Freunde virtuoser Gitarrenmusik auch in Zukunft mit musikalischen Kostbarkeiten erfreuen wird.